SPORT-
TRAUMATOLOGIE


Tennisarm

 

Tennisarm

 

Die Bezeichnung Tennisarm hat sich über Jahr­zehn­te fest etabliert und stellt den ur­säch­li­chen Be­zug der Ver­letzung zum Tennis­sport her. Im Com­pu­ter­zeit­al­ter werden je­doch die Tas­ta­tur und Com­pu­ter­maus als häu­figste Ur­sa­chen für die ge­schil­der­ten Be­schwer­den aus­ge­macht, so dass in­zwi­schen auch die Be­zeich­nung „Mausarm“ als Synonym dient.

Im Gegensatz hierzu beschreibt der sog. „Golf­arm“ medizinisch zwar die­sel­be Pro­ble­ma­tik wie der „Tennisarm“, betrifft jedoch eine an­de­re Mus­kel­gruppe des Unter­armes.

Der medizinische Fachterminus „Epicondylitis radialis humeri“ benennt das eigentliche Pro­blem: Es handelt sich um eine loka­li­sier­te, ent­zünd­li­che Seh­nen­an­satz­rei­zung der Hand- und Finger-Streck­mus­ku­la­tur des Unterarmes. Eine Epicondylitis entsteht durch Über­be­an­spru­chung der Unter­arm­mus­keln, das heißt durch extreme oder dauernd wie­der­keh­ren­de Be­we­gun­gen des be­troffenen Mus­kels.

 

Die häufigsten Aus­löser sind ein­seitige Be­an­spruchung (Tastatur- und Maus­be­nutzung bei Büro­an­ge­stell­ten), hand­werk­liche Be­rufe und Schlag­sport­arten. In der Regel führen re­pe­ti­ti­ve Trau­men somit zur Ent­zün­dung des Seh­nen­ur­sprunges. Nur selten ist ein akutes Er­eig­nis Aus­lö­ser der Ver­letzung – hierbei kommt es dann ge­häuft auch zu Ein­ris­sen im Seh­nen­ver­lauf. Die meisten Patienten werden häufig erst nach wochen- und monatelangen Be­schwer­den erst­ma­lig vor­stellig beim Arzt. Es be­steht ein deut­li­cher Druck­schmerz über dem Mus­kel­ur­sprung sowie typische Schmerzen bei All­tags­tätig­kei­ten, wie bei­spiels­wei­se Greif­be­we­gun­gen oder Hände schütteln. Der Ten­nis­spie­ler er­war­tet be­reits vor dem Schlag einen ein­schie­ßen­den Schmerz am Ellen­bogen. Pro­ble­ma­tisch ist die Ten­denz zur Chro­ni­fi­zie­rung des Tennis­armes, so dass oftmals hart­näckige und lang­wie­ri­ge Ver­läu­fe be­stehen, die meist zu Einschränkungen in Sport, Beruf und Alltag führen. 

 

Alle Therapieansätze beinhalten zunächst die Feststellung der auslösenden Ursache und deren mögliche Behebung. Dies kann für den Sportler die vorübergehende Tennispause oder Einstellung des Krafttrainings bedeuten.

Speziell gilt es zu überprüfen, ob Schlä­ger­ma­te­rial, Be­span­nung, Griff­stär­ke und Ball­qua­li­tät passend sind. Auch sollte gegebenenfalls die Schlagtechnik, insbesondere bei der Rück­hand, mit einem Trainer ver­bes­sert wer­den. Für den com­pu­ter­ge­schä­dig­ten Ellen­bo­gen hält der Fach­han­del mitt­ler­wei­le speziell ge­form­te ergo­no­mi­sche Tas­ta­tu­ren bis hin zur Ver­ti­kal­maus bereit. 

 

Sogenannte Epi­con­dy­li­tis­ban­da­gen führen durch Druck­pelotten ebenfalls zu einer spür­baren Ent­lastung des gereizten Seh­nen­an­sat­zes. Ansonsten besteht die The­ra­pie aus einer Kom­bi­na­tion von phy­sio­the­ra­peu­ti­schen, me­di­ka­men­tö­sen und zu guter Letzt opera­ti­ven Maß­nahmen.

Erfolgreich eingesetzt werden vor allem Kälte- und Elektro­therapie sowie Stoß­wellen­be­hand­lungen. Der Physio­the­ra­peut kann durch ge­ziel­te manuelle Ver­fah­ren, wie Dehn­übun­gen oder Frik­tions­massagen, zu einer Reiz­lin­de­rung beitragen.

Begleitend werden bevorzugt Medikamente wie Diclofenac oder Ibuprofen in Ta­bletten­form oder als Sal­ben­ver­bän­de an­ge­wen­det. Lokale Infiltrationen mit niedrig dosierten Cor­ti­son­prä­pa­ra­ten können ver­ein­zelt und nach sicherem Aus­schluss eines Seh­nen­risses er­fol­gen. Auch zeigen In­jek­tio­nen von zen­tri­fu­gier­tem Eigen­blut gute Heilungschancen.

Operationen werden erfolgreich bei Seh­nen­ein­ris­sen ein­ge­setzt, sind aber auch bei chro­ni­schen Ver­läu­fen trotz konservativer The­ra­pie durch­aus sinn­voll. Hierbei wird der Seh­nen­spie­gel zur Ent­las­tung ein­ge­kerbt und die schmerz­haf­te Knochen­haut denerviert. An­schlie­ßend erfolgt eine pas­sa­ge­re Ruhig­stel­lung mittels Schiene.

Die Prognose des Tennis­armes ist letzt­end­lich, trotz der oft­mals lang­wie­rigen Ver­läufe, günstig. Es gilt, aus der Vielzahl der The­ra­pie­mög­lich­kei­ten eine ge­eig­ne­te Kom­bi­na­tion zu finden, um somit vor allem früh­zei­tig einen chro­ni­schen Ver­lauf zu verhindern.