SPORT-
TRAUMATOLOGIE
Kreuzbandriss

War früher die Ruptur des Kreuzbandes gleichbedeutend mit Sportinvalidität und drohender Arthrose des Kniegelenkes, so ist heute, dank stark verbesserter Diagnostik, OP-Technik und Rehabilitation, die schnelle Reintegration ins Berufs- und Sportlerleben möglich. Weiterhin gilt jedoch, dass man ohne intakte Kreuzbänder nur sehr eingeschränkt sportfähig ist. So sind Schwimmen und Radfahren auch ohne Kreuzband möglich, Skifahren, Tennis, Fußball und sonstige Kontaktsportarten sollten jedoch nicht ausgeübt werden.
Ohne funktionierende Kreuzbänder besteht bei diesen Sportarten eine hohe Gefahr der Schädigung von Knorpel und Meniskusstrukturen. In Deutschland reißt ca. alle 6,5 min ein Kreuzband – Tendenz steigend. Hierbei ist die Ruptur des vorderen Kreuzbandes 10-fach häufiger. Das typische Alter liegt zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr, wobei Frauen konstitutionsbedingt häufiger betroffen sind als Männer.
Wohl kaum eine Verletzung in der Sporttraumatologie hat im Verlauf der letzten 20 Jahre in ihrer Behandlung einen solchen Wandel erfahren wie die Kreuzbandruptur. So hat sich in der Diagnostik mit der Kernspintomographie ein äußerst exaktes, bildgebendes Verfahren zur zuverlässigen Erkennung dieser schweren Verletzung etabliert.
Bereits präoperativ können wir somit heute auch Begleitverletzungen, wie Meniskus- oder Knorpelschäden, erkennen und die Behandlung entsprechend sicher mit dem Patienten planen.
Auch die Operationstechnik hat sich binnen 30 Jahren vollständig verändert. Nachdem die Naht des Kreuzbandes und der Ersatz mit Kunststoffbändern enttäuschende Ergebnisse zeigten, wurde mit der Entnahme und Transplantation körpereigener Sehnen als Kreuzbandersatz ein großer Fortschritt erzielt. Der entscheidende Durchbruch gelang jedoch mit der Einführung des arthroskopischen Kreuzbandersatzes Anfang der 90er Jahre. Seitdem ist es möglich, die gesamte Operation in der „Schlüssellochtechnik“ durchzuführen – eine Eröffnung des Kniegelenkes mit großem Schnitt ist nicht mehr notwendig.
Zu guter Letzt hat sich auch die postoperative Nachbehandlung einem enormen Wandel unterzogen und somit die guten Operationsergebnisse ermöglicht. Bestand die Rehabilitation ursprünglich aus langer Gipsruhigstellung und Entlastung des betroffenen Kniegelenkes, so wird heute bereits wenige Tage nach der Operation mit funktionellen Bewegungsübungen unter physiotherapeutischer Anleitung begonnen.
Auch die Benutzung von Gehstützen ist auf einen Zeitraum von zwei Wochen beschränkt, so dass der Patient nur mit einer beweglichen Kniegelenksschiene für sechs Wochen behandelt wird. Anschließend erfolgt ein gezieltes Kraft- und Stabilisationstraining. In Abstimmung mit dem Physiotherapeuten kann ab dem dritten Monat mit Laufsport begonnen werden, die Rückkehr zu Kontakt- und Risikosportarten ist bei gutem Heilverlauf nach sechs Monaten möglich. Die Arbeitsunfähigkeit bei einer Bürotätigkeit beträgt ca. zwei bis drei Wochen, muss aber je nach Beruf individuell festgelegt werden.
Im Lauf der Zeit hat sich somit das funktionelle Ergebnis für den Patienten sehr zum Positiven gewandelt. Die weitaus meisten der operierten Patienten, egal ob Freizeit- oder Leistungssportler, können ihren Sport wieder auf dem ursprünglichen Niveau ausüben.
Wir haben im Zentrum für Orthopädie und Sportmedizin ZFOS in den vergangenen 15 Jahren mehr als 6.000 Operationen des vorderen Kreuzbandes durchgeführt und verfügen somit über eine hohe Kompetenz, was diese schwere Verletzung betrifft.
