SPORT-
TRAUMATOLOGIE
Knorpelschaden

Die Bedeutung eines intakten Knorpelbelages wird deutlich, wenn man bedenkt, dass beim Laufen oder Springen Belastungen entstehen, die das 10-fache des Körpergewichtes übersteigen können. Bis heute gelten Knorpelläsionen in der Medizin als große Herausforderung, da ein gleichwertiger Ersatz von beschädigtem Knorpelgewebe nach wie vor nicht möglich ist. Mittlerweile steht mit der hochauflösenden Kernspintomographie ein sehr zuverlässiges diagnostisches Verfahren zur Verfügung, so dass die Lokalisation, Ausdehnung und Schweregrad eines Knorpelschadens exakt beurteilt werden können. Grundsätzlich muss man zwischen degenerativen, also verschleißbedingten Läsionen, und traumatischen Schäden unterscheiden. Diese Einteilung beeinflusst nicht nur konkret die Art der Therapie, sondern kann bereits Hinweise auf die zu erwartende Prognose geben.
Degenerative Knorpelschäden
Hierbei handelt es sich um verschleißbedingten Knorpelabrieb, welcher begünstigt wird durch exzessiven Lauf- bzw. Sprungsport, Beinachsenfehler oder Bandinstabilitäten infolge länger zurückliegender Verletzungen.
Schreiten diese Knorpelveränderungen fort, so spricht man von einer Arthrose des betroffenen Gelenkes. Neben Kernspinaufnahmen zeigen Röntgenbilder bereits eine Verengung des Gelenkspaltes sowie unregelmäßige Gelenkflächen. Therapeutisch im Vordergrund stehen zunächst konservative Maßnahmen.
Die Optimierung der Beinachse, unterstützt durch eine hochwertige Einlagenversorgung sowie Gelenkinjektionen können bereits eine deutliche Verbesserung der Beschwerden bewirken. Der behandelnde Arzt sollte beratend bei der Auswahl der Sportarten sein, wobei sicher Rad- und Schwimmsport für das Gelenkspiel ideal sind. Der Nutzen der Gelenkspiegelung (Arthroskopie) ist bei degenerativen Knorpelschäden recht beschränkt, da die betroffenen Knorpelareale nur geglättet werden können, jedoch keine hochwertigen Oberflächen entstehen.
Traumatische Knorpelschäden
Basierend auf einem konkreten Verletzungsvorgang sind insbesondere jüngere Sportler von dieser Art des Knorpeldefektes betroffen. Meist kommt es im Rahmen eines Zweikampfes unter extremer Belastung zu einem Aufplatzen der ansonsten intakten Knorpeloberfläche. Das betroffene Gelenk ist sofort geschwollen und schmerzt bei Belastung. Oftmals kommt es zu lappenförmige Knorpelabhebungen bis hin zu ausgesprengten Knorpelfragmenten, die wiederum als freie Gelenkkörper zu Einklemmungen führen können. Die Therapie ist meist operativ und besteht aus einer Glättung der betroffenen Knorpelareale im Rahmen einer Gelenkspiegelung. Freie Gelenkkörper werden entfernt. Bei der schwersten Form des traumatischen Knorpelschadens kommt es zu einem vollständigen Verlust der gesamten Knorpelschicht, so dass der darunterliegende Knochen frei liegt.
Die Mikrofrakturierung dieses Areals erzeugt durch präzise Bohrungen ein Regenerat aus Faserknorpel, welches den freiliegenden Knochen bedeckt. Auch wenn es sich hierbei um biomechanisch minderwertiges Knorpelgewebe handelt, sind die Ergebnisse bei passender Anwendung zufriedenstellend. Bei großen traumatischen Defekten hat sich der Einsatz der Knorpelzelltransplantation bewährt. Hierbei wird mit einer Arthroskopie eine reiskorngroße Knorpelprobe gewonnen und im Labor gezüchtet. Einige Wochen später und im Rahmen einer zweiten Operation wird das körpereigene Gewebe dann auf einer Trägersubstanz in den Defekt eingesetzt und füllt diesen vollständig auf.
Osteochondrosis dissecans
Dies ist eine Sonderform des Knorpelschadens, der vor allem Kinder und Jugendliche betrifft. Eine Durchblutungsstörung des Knochens führt zum Ablösen des darüberliegenden Knorpelareals. Hier ist eine alters- und vor allem stadiengerechte Therapie durch einen erfahren Orthopäden wichtig, da sich sowohl konservative als auch operative Methoden bewährt haben.
Grundsätzlich muss die Diagnose „Knorpelschaden“ sehr differenziert betrachtet werden. Nicht nur die Art, Lokalisation und Größe des Defektes sind wichtige Parameter, sondern auch das Alter und der sportliche Anspruch des Patienten müssen bei der Entscheidung für eine bestimmte Therapieform berücksichtigt werden.
